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Der Euro-US-Dollar-Devisenkurs

 
Dieser Artikel gibt eine Übersicht der Faktoren, die den Devisenkurs des führenden Währungspaares: Euro-Dollar, im Allgemeinen als EUR/USD ausgedrückt, beeinflussen.

Der Euro-Dollar-Devisenkurs ist der Preis, zu dem die Weltnachfrage nach US-Dollars dem Weltangebot von Euros entspricht. Ungeachtet des geografischen Ursprungs führt ein Anstieg in der Weltnachfrage nach Euros zu einem Wertanstieg des Euros.
 
Faktoren, die Devisenkurse beeinflussen
 
Für den effektiven Euro-Dollar-Devisenkurs werden vier Faktoren als fundamentale bestimmende Faktoren identifiziert:
  • Der Unterschied des internationalen Realzinssatzes
  • Relative Preise in den gehandelten und nicht gehandelten Warensektoren
  • Der Realpreis von Öl, Edelmetallen und anderen Rohstoffen
  • Die relative Fiskalposition
Das nominale bilaterale Devisenverhältnis des Dollars zum Euro ist der Devisenkurs, der am meisten Aufmerksamkeit auf sich zieht. Trotz der verhältnismässig grossen Wichtigkeit der bilateralen Handelsverbindungen des Euros mit dem US-Dollar ist der Handel mit Grossbritannien in gewissem Sinn wichtiger für die Euro-Zone als derjenige mit den Vereinigten Staaten. Der Dollar und der Euro haben eine starke Neigung, sich kurzfristig gleich zu verhalten, aber manchmal gibt es auch bedeutende Abweichungen. Der sehr starke Anstieg des Dollars gegenüber dem Euro im Jahr 2003 ist ein Beispiel solcher Abweichungen.

Auf lange Sicht ist die Wechselbeziehungen zwischen dem bilateralen Dollar-Euro-Devisenkurs und den verschiedenen Massnahmen bezüglich des effektiven Euroland-Kurses recht stark gewesen, vor allem, was den effektiven Realdevisenkurs betrifft. Weil sich die Inflation in den USA und im Euro-Bereich auf sehr ähnlichen Ebenen bewegt, ist es nicht erforderlich, den Dollar aufgrund von Inflationsunterschieden dem Euro anzugleichen; weil aber die Euro-Zone auch intensiv mit anderen Ländern handelt, die eine relativ hohe Inflation haben (z.B. einige Länder in Zentral- und Osteuropa, die Türkei, usw.), ist es wichtiger, die Massnahmen hinsichtlich des nominalen Devisenkurses herunterzuspielen, indem man sich auf relative Preise und Kostenentwicklungen konzentriert.
 
Das Sinken des Dollars
 
Das anhaltende und systematische Sinken des Dollars (d.h. dessen Durchschnittswertes, der für den Handelsausgleich ausschlaggebend ist) von anfangs 2002 bis anfangs 2007 gegenüber dem Euro, dem australischen Dollar, dem Pfund Sterling, dem kanadischen Dollar und ein paar weiteren Währungen bleibt bedeutend.

Im Anschluss an die zweitklassige Hypothekenkrise in den USA sind die Dollar-Verluste sprunghaft angestiegen und erzeugten anhaltende Gegenreaktionen. Die US-Zentralbank hat mit verschiedenen Basiszinses-Senkungsrunden reagiert und dabei Inlandwachstum und Inflationsängste gegeneinander abgewogen.
 
Grundsätzliche Theorien zum Dollar-Euro-Devisenkurs:
 
Gesetz des Einheitspreises: In konkurrenzfähigen Märkten, in denen es keine Landesgrenzen gibt, die zu erhöhten Transportkosten führen, müssen identische Produkte in verschiedenen Ländern zum gleichen Preis verkauft werden, wenn der Preis in derselben Währung angegeben ist.

Auswirkungen von Zinssätzen: Wenn Kapital frei fliessen kann, stabilisieren sich die Devisenkurse dort, wo dieselben Zinssätze festgelegt werden.

Die dualen Kräfte von Angebot und Nachfrage bestimmen die Devisenkurse des Euros gegenüber dem Dollar. Mehrere Faktoren beeinflussen diese zwei Kräfte, die wiederum die Devisenkurse beeinflussen:

Das wirtschaftliche Umfeld: Positive Anzeichen (in Bezug auf Regierungspolitik, Wettbewerbsvorteile, Marktgrösse, usw.) steigern die Nachfrage nach der Währung, indem mehr und mehr Unternehmen dort investieren wollen.

Aktienmarkt: Die Hauptaktienindizes stehen ebenfalls in einer Wechselbeziehung zu den Devisenkursen.

Politische Faktoren: Alle Devisenkurse reagieren auf politische Instabilität und Erwartungen im Zusammenhang mit einer neuen Regierung. Politische oder finanzielle Instabilität in Russland bedeutet zum Beispiel auch eine Schwächung des Devisenkurses des Euros gegenüber dem US-Dollar, weil ein bedeutender Anteil der deutschen Investitionen in Russland getätigt wird.

Wirtschaftliche Daten: Wirtschaftliche Daten oder Indizes, zum Beispiel Berichte aus dem Arbeitsmarkt (Gehälter, Arbeitslosenrate und durchschnittliche Stundenlöhne), Konsumentenpreisindizes (CPI), Erzeugerpreisindizes (PPI), Bruttoinlandprodukt (BIP), internationaler Handel, Produktivität, Industrieproduktion, Konsumentenvertrauen, usw., beeinflussen die Schwankungen der Devisenkurse ebenfalls.

Das Vertrauen in eine Währung ist der grösste entscheidende Faktor für den wirklichen Euro-Dollar-Devisenkurs. Entscheidungen werden aufgrund künftig erwarteter Entwicklungen, die die Währung beeinflussen könnten, gefällt. Ein EUR/USD-Kurs kann unter einer von vier Hauptarten von Devisensystemen operieren:
 
Völlig feste Devisenkurse
 
In einem festen Devisenkurssystem greift die Regierung (oder die Zentralbank, die in deren Auftrag handelt) in den Währungsmarkt ein, um den Devisenkurs nahe beim festgesetzten Zielkurs zu halten. Sie verpflichtet sich zu einem einzigen festen Devisenkurs und lässt keine grossen Abweichungen von diesem zentralen Kurs zu.
 
Halbfeste Devisenkurse
 
Die Währung kann sich innerhalb der erlaubten Schwankungsbereiche bewegen. Der Devisenkurs ist das dominierende Ziel der Wirtschaftspolitik; Zinssätze werden festgelegt, um dieses Ziel zu erreichen und für den Devisenkurs wird ein spezifisches Ziel gesetzt.
 
Flexible Devisenkurse
 
Der Wert einer Währung wird ausschliesslich von den Kräften des Marktangebotes und der Marktnachfrage im Devisenmarkt bestimmt. Handelsflüsse und Kapitalflüsse sind die Hauptfaktoren, die den Devisenkurs beeinflussen. Ein flexibles Devisenkurssystem ist ein Währungssystem, in dem sich der Devisenkurs nach den Marktkräften frei bewegen kann ohne Intervention der Regierungen. Die Bank von England interveniert zum Beispiel nicht direkt in den Devisenmärkten, um die gewünschte Höhe eines Devisenkurses zu erreichen. Bei flexiblen Devisenkursen bewirken Veränderungen von Angebot und Nachfrage im Markt, dass sich der Wert einer Währung verändert. Vollständig flexible Devisenkurse kommen selten vor - die meisten Regierungen versuchen zu gewissen Zeiten, den Wert ihrer Währung durch Zinssatzanpassungen und andere Kontrollmethoden zu "lenken".
 
Gelenkte flexible Devisenkurse
 
Regierungen entscheiden sich normalerweise für eine Lenkung von flexiblen Devisenkursen, wenn sie kein festes Devisenkurssystem haben. Feste Kurse stellen für Exporteure und Importeure grössere Gewissheit dar und unter normalen Umständen gibt es weniger spekulative Aktivitäten, obwohl dies davon abhängt, ob die Händler im Devisenmarkt einen bestimmten Devisenkurs als angebracht und glaubhaft halten.
 
Vorteile von flexiblen Devisenkursen
 
Schwankungen des Devisenkurses können für Länder mit einem grossen Zahlungsbilanzdefizit eine automatische Angleichung darstellen. Ein zweiter Hauptvorteil eines flexiblen Devisenkurses besteht darin, dass er Regierungs-/Währungsbehörden bei der Festsetzung von Devisenkursen Flexibilität anbietet.